In vorchristlicher Zeit war der Monte Cassino zwischen Rom und Neapel
Ort eines heidnischen Heiligtums. Obwohl bereits zweihundert Jahre
vergangen waren, seitdem der erste römische Kaiser, Konstantin,
sich zum Christentum bekehrt hatte, stand auf dem Berg, den Benedikt
sich als den Ort neuen Beginns erwählte, noch immer das
Heiligtum einer heidnischen Gottheit. Die Überlieferung nennt
das Jahr 529 als Zeitpunkt für den Anfang benediktinischen Lebens auf dem Monte Cassino.
Es ist das Jahr, in dem die platonische Akademie in Athen - die
Hochschule der Antike - ihre Pforten schloss. "Als der heilige
Mann fortzog, wechselte er zwar den Wohnsitz, nicht aber den Feind",
sagt Papst Gregor gleich in einer Überschrift, ehe er zu
erzählen beginnt, was der Gottesmann auf dem neuen und für
seinen Lebensweg letzten Ort alles erlebte. Von Anfang an ist es ein
Kampf wider den Bösen, den Benedikt führt, und je mehr er
kämpft, um so mehr wird er zum Mann des Gebets, wird er zum
Mann Gottes, zum Gesegneten, der dort auf Gottes Hilfe baut, wo sich
andere auf eigene Kräfte verlassen, der segnet, wo andere
fluchen. Als erstes riss der Abt von Monte Cassino die alten Kultstätten nieder, baute zwei
Oratorien und weihte das eine Johannes dem Täufer, das andere Martin von Tours.
Er wusste aber auch, dass es damit nicht getan ist, und begann, den
Menschen der Umgegend Christus zu predigen. Was in Subiaco bereits
begonnen worden war, setzte Benedikt in Monte Cassino fort und gab
seinen Söhnen und Töchtern durch die Jahrhunderte das
Beispiel der Missionierung in jener fruchtbaren Verbindung von Wort
und Tat. Solches Tun des hl. Benedikt veranlasste den Widersacher zu
erneuten Angriffen, "Die der Feind aus eigenem Antrieb begann,
durch die er aber entgegen seiner Absicht jenem Gelegenheit zu Siegen
gab". Schwierigkeiten zeigten sich beim Bau des Klosters. Der
Versuch, einen Felsblock wegzurücken, hemmte die Bauarbeit.
Benedikt fand eine Lösung, durch die der gewaltige Stein aus dem
Weg geräumt werden konnte. Die Mönche, Bauherrenstolz im
Herzen, errichteten Mauern, die wieder zusammenbrachen und einen
jungen Bruder unter sich begruben. Benedikt wandte sich betend an
Gott, um den unter den Trümmern verschütteten Jungen zu
heilen und ihn wieder zu den arbeitenden Brüdern zurücksenden
zu können. Vom bösen Feind getäuscht, sahen die Brüder
eine Feuersbrunst, wo lediglich einige Funken sprühten. Da
öffnete Benedikt seinen Söhnen die Augen und befreite sie
von jener ängstlichen Nervosität, die vergessen lässt,
dass es der Herr ist, der das Haus baut. Nachdem der äußere
Aufbau trotz vieler Widerstände mit Gottes Hilfe doch gelungen
war und Benedikt daran ging, seine zunächst kleine, aber ständig
wachsende Gemeinde zu festigen, verlegte auch der Böse seine
Anschläge auf die Mönche und stiftete Verwirrung, wo immer
es ihm möglich erschien. Das Auge des Mönchsvaters
erkannte, wo Gefahr drohen konnte und wies die Seinen bereits da
zurecht, wo das Laster seinen Anfang nahm.
So sehr Benedikt sich auch zuerst um seine Brüder kümmerte,
wusste er sich doch auch verantwortlich für die Menschen, die in
der Umgebung des Klosters wohnten. Er sorgte sich unter anderem um
Gemeinschaften von Frauen und veranlasste, "dass regelmäßig
Brüder zu ihnen gingen zu Zuspruch und Erbauung". Ähnlich
half Benedikt vielen Menschen in geistlicher wie materieller Not. In
Zeiten des Hungers und der Missernte wusste er Hilfe durch kluge
Wirtschaft, verstand so Getreide und Öl zu teilen, dass niemand
hungern musste, aber auch niemand im Überfluss lebte. Immer
wieder predigte er denen, die Christus nicht kannten, tröstete
jene, die den Tod eines lieben Menschen beklagten, und heilte, wenn
menschliche Heilkunst versagte und nur noch die Kraft des Gebetes
helfen konnte. In jener Furcht, die der Anfang der Weisheit ist,
erzitterte er auch nicht vor dem gewaltigen König Totila, dem er
ohne Hemmungen seine Untaten vorwarf und sein Ende vorhersagte.
Insgesamt zeichnet der hl. Gregor in dem Teil seiner Bendiktsvita
über die Jahre in Monte Cassino das Bild eines Abtes, wie der
Autor der Regel selbst ihn sich vorstellt. Er ist der treusorgende
Hirt der ihm anvertrauten Herde, der weise Lehrer, der "alles Gute
und Heilige mehr durch Taten, als durch Worte" zeigt. Er ist der
gütige Vater, welcher "Barmherzigkeit vor Recht" übt
und allen seinen Söhnen "gleiche Liebe" entgegenbringt.
Die liebende Sorge des Hirten, Lehrers und Vaters ließ Benedikt die
Regel, jene die Jahrhunderte überdauernde und bis heute nicht
veraltete Lebensordnung, schreiben. Die reiche Erfahrung eines Mannes
mit allzeit offenen Augen und hörendem Herzen vereinigt sich
darum zu einem ganzheitlichen Entwurf. In seiner Jugend in Nursia und
Rom, in den Jahren des Suchens in Enfide, in Vicovaro, in den Jahren
äbtlichen Dienstes in Subiaco und zuletzt in Monte Cassino hatte
Benedikt manche Lebensformen erleben und erproben können. Aus
der Fülle dessen, was er kennen gelernt hatte, hob er am Abend
seines Lebens die Schätze, die ihm wertvoll genug erschienen,
weitergegeben zu werden. Er verband sie mit dem, was er selbst im
täglichen Miteinander und im steten Nachsinnen über das
Wort der Heiligen Schrift gelernt hatte, zu der Regel, die Gregor der
Große als "einzigartig in weiser Mäßigung,
lichtvoll in ihrer Darstellung" charakterisiert. Obwohl zunächst
konkret für Monte Cassino geschrieben, ist der Regel doch eine
Allgemeingültigkeit eigen, die von der Herzensweite ihres
Verfassers ein beredtes Zeugnis gibt.
Benedikt von Nursia
gründete an der Stelle einer früheren römischen
Befestigungsanlage (Municipium von Casium) das erste Kloster
des nach ihm benannten Benediktinerordens
im Jahr 529, welcher vor allen anderen das Christentum
in Europa
verbreitete. Die Gebeine Benedikts von Nursia liegen in der von
gewaltigen Mauern geschützten Krypta
begraben.
Nach der Zerstörung des Klosters durch die Langobarden im Jahre 577 erhielt Petronax von Brescia im Jahr 717 durch Papst Gregor II. den Auftrag zum Wiederaufbau des Klosters.
Zahlreiche bedeutende Persönlichkeiten besuchten im Anschluss das Kloster, unter anderem die sächsischen Mönche Willibald und Sturmius. Karl der Große weilte 787 in Monte Cassino und stattete das Kloster mit umfangreichen Privilegien aus.
Das Kloster wurde 883
von den Sarazenen
ausgeplündert und in Brand gesteckt, doch bereits im 10.
Jahrhundert und 11.
Jahrhundert kam es wieder zu politischer und geistlicher Blüte.
Ausbildungsstätte. Während der Amtszeit des Desiderius
füllte sich die Bibliothek des Klosters zudem mit Handschriften,
die mit Miniaturen ausgeschmückt waren, mit Mosaiken,
Emailmalereien und Goldarbeiten orientalischer Prägung.
Im Jahre 1349 wurde das Kloster durch ein Erdbeben zum dritten Mal fast völlig zerstört. Während des nachfolgenden Wiederaufbaus wurden verschiedene Ergänzungen und Verschönerungen im Stil der Renaissance und des Barock vorgenommen, die dem Kloster sein stattliches Aussehen verliehen, das es bis zum 15. Februar 1944 beibehalten hat.
Damals befand sich Montecassino, in der Endphase des 2. Weltkrieges
Zufluchtsort für Hunderte von Zivilpersonen, über Monate im
Bereich der Frontlinie (Schlacht
um Monte Cassino).
Trotz wiederholter gegenteiliger Versicherungen von Seiten der
Wehrmacht
befürchteten die Alliierten, dass sich aufgrund der militärisch
äußerst günstigen Lage hoch auf dem Hügel
deutsche Soldaten im Kloster aufhalten würden. Bei dem massiven,
dreistündigen Bombenangriff direkt auf das Kloster fanden viele
der Flüchtlinge in den Trümmern den Tod. Mit Ausnahme der
Krypta
wurde das Kloster an diesem Tag bis auf die Grundmauern zerstört.Erst
nach der Bombardierung rückte die Wehrmacht
in die Ruinen ein und besetzte sie für die Dauer mehrerer
Monate. Auch der Vatikan
bestätigte später dass zu keinem Zeitpunkt vor der
Bombardierung sich dort deutschen Soldaten oder Kriegsgerät
befunden hatte. Pläne und Kunstschätze des Klosters waren
rechtzeitig vor dem Angriff vom deutschen Oberstleutnant Julius
Schlegel in den Vatikan evakuiert worden. Nach dem Kriege wurde die
Abtei
mit Hilfe des italienischen Staates in zehn Jahren nach den
ursprünglichen Bauplänen wiederaufgebaut - getreu dem
Leitsatz des Abtes Ildefonso Rea: "Wo es stand und wie es war".
Man betritt das Kloster im Kreuzgang am Eingang". An dieser Stelle stand ein dem Apoll geweihter Tempel, den Benedikt in eine Kapelle für das gemeinsame Gebet der Mönche umgewandelt und dem hl. Martin, dem Bischof von Tours, geweiht hatte. Im Jahre 1953 fand man bei Bauarbeiten Reste der ursprünglichen Fundamente dieser Kapelle.Hier verstarb der hl. Benedikt, wobei er die von Gregor dem Großen beschriebene Haltung einnahm: "aufrecht, von einigen Mönchen gestützt, nachdem er die Eucharistie empfangen hatte". An diese Episode erinnert eine Gruppe von Bronzefiguren inmitten des Kreuzgangs, die ein Geschenk Konrad Adenauers sind